Drei Tage Monatsbericht? Wie Mittelstandsbetriebe ihr Reporting automatisieren

Warum operatives Reporting im Mittelstand so viel Zeit kostet und wie Betriebe ihre wichtigsten Kennzahlen ohne neues System automatisch verfügbar machen.

von

David Gierse

17 Min. Lesezeit

17 Min. Lesezeit

NOAVIA KPI-Dashboard: Mittelstandsbetrieb automatisiert operatives Reporting – Kennzahlen täglich aktuell ohne manuellen Aufwand

Der Freitagnachmittag, der alles sichtbar macht

Es ist 16 Uhr. Ein Geschäftsführer eines Produktionsbetriebs mit 95 Mitarbeitenden ruft seinen Controlling-Leiter an. Er braucht aktuelle Zahlen: Umsatz laufender Monat, Auslastung der Hauptlinie, offene Posten über 60 Tage. Montag früh kommt ein Gesellschafter.

Der Controlling-Leiter antwortet: „Ich schaue was ich bis Montag zusammenbekomme."

Er meint es nicht so. Er ist gut in seinem Job. Aber die Zahlen die der Geschäftsführer braucht stecken in drei verschiedenen Quellen: der Monatsbericht läuft über SAP, die Auslastung über eine Excel-Datei die wöchentlich gepflegt wird, und die offenen Posten müssen manuell aus dem Debitorenkonto gezogen und gefiltert werden.

Drei Quellen, eine Person, Freitagabend.

Montag früh, 7:30 Uhr liegt eine E-Mail im Postfach. Der Anhang ist ein PDF mit den Zahlen. Erstellt am Sonntagabend.

Dieses Szenario wiederholt sich in fast jedem mittelständischen Betrieb, nicht weil die Daten fehlen, sondern weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort sind.

Wie ähnliche Datenverluste durch fehlerhafte Stammdaten entstehen, beschreibt unser Artikel Dubletten im ERP: Warum Ihre Kundendaten Ihre Vertriebsstrategie verzerren.

Warum operatives Reporting so zeitaufwendig ist

In einem gut geführten Mittelstandsbetrieb existieren die relevanten Zahlen fast immer. Das Problem ist nicht die Datenlage, es ist die Datenfragmentierung.

ERP-Systeme liefern Buchungen, Bestände und Aufträge, aber oft nicht in der Form in der sie für Entscheidungen gebraucht werden. CRM-Systeme liefern Pipeline und Kundendaten, aber ohne direkte Verbindung zu den Umsatzbuchungen im ERP. Excel füllt die Lücken und schafft dabei neue.

Das Ergebnis ist ein Reporting-Prozess der von einer Person zusammengehalten wird. Solange diese Person da ist, funktioniert es. Was passiert wenn sie nicht da ist, beschreibt unser Artikel zu Prozesskontinuität bei Abwesenheit.

Laut einer Studie des Bitkom-Verbands verbringen Mitarbeitende in mittelständischen Unternehmen durchschnittlich 1,8 Stunden täglich mit manueller Datenpflege. Im Controlling liegt dieser Wert deutlich höher, weil dort alle Datenströme zusammenlaufen. Eine Umfrage des Bundesverbands der Bilanzbuchhalter und Controller zeigt: 67 Prozent der Controller in Unternehmen unter 500 Mitarbeitenden verbringen mehr als 40 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Datenbeschaffung und Aufbereitung, nicht mit Analyse.

40 Prozent ihrer Zeit. Für Arbeit die kein Urteilsvermögen braucht.

Die fünf häufigsten Ursachen für langsames Reporting

Fehlende Standardisierung der Kennzahlen. Wenn jeder im Unternehmen unter „Umsatz diesen Monat" etwas leicht anderes versteht, ob Auftragseingänge, Rechnungsstellungen oder Zahlungseingänge, entstehen Auswertungen die sich widersprechen ohne dass jemand falsch liegt. Die Diskussion über die Zahlen dauert länger als die Analyse.

Zu viele Kennzahlen. Ein Reporting das dreißig Kennzahlen enthält wird nicht gelesen, es wird abgehakt. Die relevanten fünf Zahlen gehen im Rauschen der anderen fünfundzwanzig unter. Und weil niemand sagt welche fünf die wichtigen sind, müssen alle dreißig jeden Monat produziert werden.

Manuelle Datenquellen ohne Schnittstelle. Wenn die Auslastung in einer Excel-Datei steht die jemand wöchentlich aktualisiert, ist diese Zahl immer maximal eine Woche alt und nur so aktuell wie die letzte manuelle Eingabe. Was manuelle Dateneingabe strukturell kostet, zeigt unser Artikel zu Medienbrüchen im Mittelstand.

Kein definierter Reporting-Rhythmus. Wenn Berichte auf Anfrage entstehen statt automatisch zu einem festen Zeitpunkt, ist jede Anfrage ein Projekt. Der Geschäftsführer fragt Freitag, der Controller arbeitet Sonntag.

Personenabhängigkeit. Eine Person kennt die Quellen, weiß wie man sie zusammenführt, und hat die Formeln in Excel. Wenn diese Person krank ist oder das Unternehmen verlässt, gibt es keinen Monatsbericht.

Was ein funktionierendes operatives Reporting leisten muss

Ein gutes Reporting-System im Mittelstand erfüllt drei Anforderungen, nicht mehr, nicht weniger.

Erstens Aktualität. Die wichtigsten Kennzahlen müssen täglich oder wöchentlich automatisch verfügbar sein, nicht auf Anfrage. Was täglich gebraucht wird, darf nicht täglich neu produziert werden müssen.

Zweitens Klarheit. Fünf bis sieben Kernkennzahlen die jeder im Führungskreis gleich versteht und gleich definiert. Nicht dreißig Seiten PDF, sondern ein Dashboard das in dreißig Sekunden gelesen werden kann.

Drittens Unabhängigkeit von Personen. Das Reporting läuft auch wenn der Controller krank ist, im Urlaub ist oder das Unternehmen verlässt. Die Logik steckt im System, nicht im Kopf einer Person.

Fünf Kennzahlen die fast jeder Mittelstandsbetrieb braucht

Es gibt keine universelle Antwort auf die Frage welche Kennzahlen ein Betrieb braucht. Aber aus NOAVIA-Projekten wissen wir: Diese fünf werden fast überall als erste genannt, wenn Geschäftsführer beschreiben was sie wöchentlich wissen müssen.

Umsatz laufender Monat vs. Plan. Nicht der Gesamtumsatz des Jahres, sondern der aktuelle Monat, täglich aktualisiert, mit Vergleich zum Planwert. Damit sieht man frühzeitig ob ein Monat gut oder schlecht läuft, nicht erst wenn die Abrechnung kommt.

Offene Posten nach Fälligkeit. Wie viel Geld steht aus, seit wann, und bei welchen Kunden? Diese Zahl ist direkt mit der Liquiditätsplanung verbunden. Wie eng Datenpflege und Zahlungseingang zusammenhängen, beschreibt unser Artikel zum automatisierten Mahnwesen.

Auftragseingang laufende Woche. Was kommt rein, was ist neu, was wurde storniert? Diese Zahl zeigt die Entwicklung des Vertriebs früher als jede Umsatzauswertung.

Auslastung der Kapazitäten. Wie ausgelastet ist Produktion, Montage, oder das Serviceteam in den nächsten vier Wochen? Diese Zahl ist Grundlage für Einkaufsentscheidungen, Personalplanung und Lieferversprechen.

Kosten vs. Budget laufender Monat. Nicht die Jahreskosten, der aktuelle Monat, aufgeteilt nach den drei größten Kostentreibern. Damit sieht man Abweichungen bevor sie sich aufstauen.

Wie Betriebe automatisches Reporting aufbauen, ohne IT-Projekt

Schritt 1: Die fünf Kernkennzahlen definieren. Nicht dreißig, fünf. Mit klarer Definition: Was genau messen wir, über welchen Zeitraum, aus welcher Quelle? Dieser Schritt braucht kein Tool, sondern ein einstündiges Gespräch zwischen Geschäftsführer und Controlling.

Schritt 2: Die Quellen kartieren. Für jede Kennzahl: Wo steckt die Zahl heute? ERP, CRM, Excel, oder irgendwo dazwischen? Wie oft wird sie aktualisiert? Wer hat Zugriff?

Schritt 3: Automatische Extraktion einrichten. Die meisten modernen ERP-Systeme haben standardisierte Berichte oder API-Schnittstellen die Daten in einem festen Rhythmus exportieren können. SAP Business One, Dynamics 365, DATEV und Lexware unterstützen automatische Berichtsexporte, sie müssen nur konfiguriert werden.

Schritt 4: Dashboard bauen. Power BI, Google Looker Studio oder ein einfaches automatisch befülltes Excel-Dashboard, die Wahl des Tools ist weniger wichtig als die Konsequenz der Nutzung. Ein Dashboard das täglich aktuell ist und wöchentlich angeschaut wird ist besser als ein perfektes System das niemand versteht.

Schritt 5: Verantwortlichkeit definieren. Wer ist dafür zuständig dass das Dashboard läuft? Wer wird informiert wenn eine Datenquelle ausfällt? Diese Fragen müssen vor dem ersten Ausfall beantwortet sein, nicht danach.

Praxisbeispiel: Produktionsbetrieb, 95 Mitarbeitende

Der Controlling-Leiter verbrachte monatlich drei Tage mit dem Monatsbericht. Sieben Datenquellen, manuelle Zusammenführung, personenabhängig.

NOAVIA hat in zwei Schritten umgesetzt: Erstens den automatischen Export der fünf Kernkennzahlen aus SAP konfiguriert und direkt in ein Power BI Dashboard eingespielt, das täglich aktualisiert wird. Zweitens den monatlichen PDF-Bericht abgeschafft und durch ein wöchentliches 15-Minuten-Review des Dashboards im Führungskreis ersetzt. Gesamtaufwand: drei Wochen.

Ergebnis: Drei Tage Monatsbericht wurden zu 30 bis 60 Minuten Durchsicht und Kommentierung. Der Geschäftsführer sieht seine fünf Kernzahlen jeden Morgen aktuell, ohne eine einzige Anfrage. Und wenn der Controlling-Leiter im Urlaub ist, läuft das Dashboard trotzdem.

Aus NOAVIA-Projekten wissen wir: Betriebe die ihre fünf Kernkennzahlen automatisieren, reduzieren den manuellen Reporting-Aufwand im Schnitt um 65 Prozent im ersten Jahr.

Häufige Fragen zum automatisierten Reporting

Brauche ich dafür ein neues System? Fast nie. In den meisten Fällen reichen die vorhandenen ERP-Schnittstellen und ein Dashboard-Tool wie Power BI oder Google Looker Studio, beides ist in vielen Unternehmen bereits vorhanden oder kostengünstig verfügbar.

Was wenn meine Daten in verschiedenen Systemen stecken? Das ist der Normalfall. Der erste Schritt ist immer die Kartierung: welche Zahl steckt wo, in welchem Format, mit welchem Rhythmus. Danach entscheidet sich ob eine direkte Schnittstelle sinnvoll ist oder ein zwischengelagerter Datenaggregator.

Wie lange dauert die Einrichtung? Für ein einfaches Dashboard mit fünf Kennzahlen aus einem ERP-System rechnen wir mit zwei bis vier Wochen. Komplexere Setups mit mehreren Quellen und historischen Daten dauern sechs bis zehn Wochen.

Was passiert wenn eine Datenquelle ausfällt? Das ist der Grund warum Verantwortlichkeit definiert sein muss. Ein automatisches Monitoring das bei fehlendem Dateneingang eine Benachrichtigung schickt, ist Standard in professionellen Setups und in den meisten Tools ohne Mehraufwand konfigurierbar.

Müssen alle Kennzahlen täglich aktuell sein? Nein. Umsatz und offene Posten brauchen tägliche Aktualität. Auslastung reicht wöchentlich. Jahresplanung vs. Ist reicht monatlich. Das richtige Intervall für jede Kennzahl spart Systemlast und Komplexität.

Wenn Sie wissen möchten welche Ihrer Kennzahlen sich automatisieren lassen: Kostenloses Erstgespräch buchen